Lebenslauf

Univ.-Prof. Dr. Michael Tanzer

Am 1. Jänner 1949 kam ich zu Wien in einer Familie mit alter Juristentradition zur Welt. Mein Ururgroßvater väterlicherseits war k.k. öffentlicher Notar in Auspitz (Mähren), mein Großvater mütterlicherseits k.k. Hof- und Gerichtsadvokat in Wien, einer meiner Onkeln väterlicherseits Rechtsanwalt und Kammerfunktionär in Wien und meine Mutter die erste Richterin in Strafsachen („weibliche Talarträgerin“) in Österreich. Nach dem Besuch der Volksschule bei den p.p. Piaristen in Wien 8., wechselte ich auf demselben Schulplatz in das Bundesgymnasium Wien 8. (vulgo „Piaristengymnasium“). Schon weit vor dem Schulabschluss stand für mich fest, Rechtswissenschaften studieren zu wollen. So besuchte ich bereits als Schüler der achten Gymnasialklasse das römisch-rechtliche Seminar von Prof. Selb an der Universität Wien. Im Wintersemester 1967/68 immatrikulierte ich und vollendete meine Studien im Wintersemester 1971/72. Durch einen ebenso schrulligen wie liebenswerten Rechtskursleiter war mein Interesse am Steuerrecht geweckt worden, welches damals in der Juristenausbildung noch jenen Dornröschenschlaf hielt, aus dem es erst sehr spät und im Umfang wohl unzulänglich durch die jüngste große Novellierung des Studienrechtes erweckt wurde.

So war ich sehr glücklich, als ich – auch aufgrund meines guten Studienerfolges – nach kurzer „Schnupperpraxis“ bei Gericht, rüde unterbrochen durch meine Einberufung zum Bundesheer, im Wintersemester 1972/73 eine Assistentenstelle bei Prof. Stoll besetzen durfte. Ich habe ihm sehr viel zu verdanken: Als akademischer Lehrer, Forscher und Vorgesetzter lebendiges und mustergültiges Vorbild zu sein, ohne einzuengen, ist wohl nur ganz wenigen Persönlichkeiten gegeben. Auch sein Ratschlag, vor der Habilitation den Alltag des Steuerrechts als Mitarbeiter im Steuerberatungs- und Wirtschaftstreuhandwesen zu erfahren, war überaus wertvoll für mein weiteres Berufsleben. In den Jahren 1977 und 1978 konnte ich als vollbeschäftigter Steuersachbearbeiter in der Kanzlei „Vienna“ im unmittelbaren Kontakt mit zum Teil sehr bedeutenden Klienten mein Wissen anwenden und vervollkommnen. Ich darf etwa die Umgründung (Einbringung) der damaligen Palmers KG in die derzeitige AG als eines meiner „Werke“ bezeichnen. Da mir zwischenzeitig keine Klagen zu Ohren gekommen sind, und ich – unter anderem – die Vorstandsfunktion in einer Privatstiftung ausübe, welche mit dem Palmers Konzern engst verbunden war, nehme ich an, dass mir dies gelungen ist. Der beeidete Wirtschaftsprüfer, Kommerzialrat und Professor, Ludwig Waldmann erwies sich als mein wichtigster außeruniversitärer Förderer und Freund. Mit ihm Tür an Tür, aber auch oft von Angesicht zu Angesicht, zusammengearbeitet zu haben, ohne jemals zu irgendeiner Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter ein lautes oder auch nur gereiztes Wort vernommen zu haben, beeindruckt mich bis heute.

Im Verlauf des Jahres 1980 habe ich mich bei Professor Stoll mit der Arbeit „Die gewinnmindernde Abzugsfähigkeit von Geldstrafen im Abgabenrecht“ habilitiert. 1987 zum außerordentlichen Universitätsprofessor ernannt, war ich vordem und danach mit etlichen, zum Teil tiefgreifenden, Änderungen des Steuerrechts als dem Präsidium zugeteiltes Mitglied der damaligen Steuerreformkommission im Finanzministerium aus nächster Nähe befasst. Auch blieb ich über „meine“ Kanzlei und die daraus erwachsenen Stiftungsfunktionen der Rechtspraxis stets verbunden. Akademische Lehre und Forschung auf dem Gebiet des Steuerrechts zu betreiben, setzt für mich das Wissen um seine tatsächliche Handhabung ebenso voraus, wie – anders gewendet – „Rechtspraxis“ wider jegliche „Rechtstheorie“ in Rechtswidrigkeit abgleiten muss. Nicht zuletzt bescheren mir die Leitung einer Arbeitsgruppe und die laufenden Vorhaben des Fachsenats für Steuerrecht in der Kammer der Wirtschaftstreuhänder Einsichten, die nicht nur weit über mein jeweils aktuelles Betätigungsfeld hinausgehen, sondern auch den unerlässlichen Nachbardisziplinen der betriebswirtschaftlichen Steuerlehre und der Finanzwissenschaft entspringen.