Forschungsschwerpunkte

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  • Grundlagen des österreichischen Steuerrechts

    Am Institut für Finanzrecht werden zwei der wichtigen Grundlagenwerke zum österreichischen Steuerrecht verfasst:

    • Einkommensteuergesetz – Kommentar
    • Grundriss des österreichischen Steuerrechts – Band I 

    Der führende Kommentar zur österreichischen Einkommensteuer wird überwiegend von aktuellen und ehemaligen Mitgliedern des Instituts herausgegeben und verfasst. Aufgrund der umfangreichen Darstellung, Interpretation und Analyse des österreichischen Einkommensteuergesetzes und der dazugehörigen Vorschriften, stellt das Werk für die Rechtspraxis ein unentbehrliches Nachschlageinstrument dar. Der Kommentar erleichtert nicht nur die juristische Recherche durch Bereitstellung von Informationen, historischen Hintergründen und rechtsvergleichenden Analysen, sondern gibt auch einen fundierten Überblick über die einschlägige Rechtsprechung und den wissenschaftlichen Diskurs. Die Autoren klären vielfach Fragen zu unklaren Gesetzesformulierungen und zeigen Wege auf, wie Gesetzeslücken geschlossen werden können. Der Kommentar stellt eine Grundlage für die juristische Praxis und die Wissenschaft dar, denn er ermöglicht eine fundierte Entscheidungsfindung und befeuert den juristischen Diskurs.

    Das Buch „Grundriss des österreichischen Steuerrechts (Band I)“ wurde von Walter Doralt und Hans-Georg Ruppe begründet und wird nunmehr von Sabine Kirchmayr und Gunter Mayr fortgeführt. Der Inhalt des Buches geht weit über das bloße Bereitstellen eines Überblicks über die österreichische Steuerlandschaft hinaus, denn das Werk bietet Einblicke in die Systematik und Besonderheiten des österreichischen Steuerrechts. Dadurch stellt es eine wesentliche Informationsquelle sowohl für Praktiker als auch für Studierende dar. Der erklärende Ansatz hilft, die Kluft zwischen theoretischem Wissen und praktischer Anwendung zu schließen. 

  • Kapitalertragssteuer

    Ein zentraler Forschungsschwerpunkt des Instituts für Finanzrecht ist die Besteuerung von Kapitalerträgen. Die Besteuerung von Kapitalerträgen hat aufgrund ihrer weitreichenden Auswirkungen auf Investitionsentscheidungen und folglich die heimische Wirtschaft eine besondere (politische) Bedeutung. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Besteuerung von Kapitalerträgen, insbesondere mit Blick auf den Anwendungsbereich der Steuer und die Ausnahmen der Besteuerung, ist wichtig, um die Auswirkungen der Steuer auf das wirtschaftliche Verhalten abschätzen zu können. Darüber hinaus kann eine Steuer auf Kapitalerträge die Vermögensverteilung beeinflussen. Die zunehmende Konzentration von Vermögen in den Händen Weniger ist immer stärker zu beobachten. Da Kapital sehr mobil ist, haben die Staaten über Jahre hinweg um Investitionen gebuhlt, was zu einer massiven Senkung der steuerlichen Belastung von Kapitalerträgen geführt hat. Grundlagenforschung im Bereich der Besteuerung von Kapitalerträgen kann politischen Entscheidungsträgern Anhaltspunkte liefern, wie die Besteuerung zu einer gerechten Verteilung des Vermögens beitragen kann.

  • Körperschaftssteuer

    Einen weiteren elementaren Fokus legt das Institut für Finanzrecht bei seiner Forschungstätigkeit auf das Körperschaftsteuerrecht. Diese Schwerpunktsetzung wird auch anhand zweier zentraler Veranstaltungen des Instituts ersichtlich: Dem Konzernsteuertag und dem Hügel-Seminar.

    Dank seines Formats als jährlich stattfindende, ganztätige Konferenz bietet der Konzernsteuertag die perfekte Bühne, um aktuelle Fragen rund um das Körperschaftsteuerecht zu diskutieren. Im Jahr 2022 stand beispielsweise der OECD-Vorschlag zu Pillar One and Pillar Two auf der Agenda. Durch das Zusammentreffen von Wissenschaft und Praxis im Rahmen des Konzernsteuertages können theoretische Analysen von Rechtsproblemen und deren Einfluss auf die Rechtspraxis gemeinsam erörtert und diskutiert werden. 

    Demgegenüber bietet das Hügel-Seminar eine laufende Seminarreihe während des Sommersemesters, welche sich den neuesten Entwicklungen im Bereich des Körperschaftsteuerrechts widmet. Veranstaltet wird diese Vortragsreihe von dem Institut für Finanzrecht in Kooperation mit dem Institut für Unternehmensrecht. Das über die Jahre gestiegene Renomee des Hügel-Seminars zeigt sich anhand der zahlreichen Teilnehmer aus Wissenschaft, Justiz, den Ministerien und der Praxis. Dabei handelt es sich um Vertreter sowohl aus Österreich als auch aus Deutschland.

  • Umweltsteuer

    Der Klimawandel stellt die Menschheit vor eine der größten Herausforderungen der Gegenwart. Um die auf nationaler, europäischer wie auf internationaler Ebene ausgehandelten Klimaziele zu erreichen, ist eine Umstellung unserer Verhaltens- und Lebensweise unumgänglich. Ein wichtiges Lenkungselement dafür ist sicherlich das Steuerrecht, da dieses einen Einfluss auf das wirtschaftliche Handeln aller hat - angefangen von Einzelpersonen bis hin zu Investoren und Unternehmen.

    So effektiv dieser Hebel über die Besteuerung auch sein mag, bislang zögern Staaten noch mit diesbezüglichen Maßnahmen. Begründen lässt sich dieser Stillstand mit den gravierenden lokalen Folgen, welche mit einer Umweltsteuer einhergehen würden. Gezeigt werden kann das anhand eines plakativen Beispiels: Würde der Ausstoß von Kohlenstoff an einem Ort stark besteuert werden, würde das die Produktion an einen anderen Standort verlagern und so mit einem negativen Effekt für die lokale Ökonomie wie auch den Arbeitsmarkt einhergehen.

    Daher sind eine rechtswissenschaftliche Grundlagenforschung zu den Effekten von Umweltsteuern sowie Studien zu der unterschiedlichen Ausgestaltung solcher Regelungen essentiell, um einen effektiven nationalen, europäischen und internationalen Klimaschutz zu schaffen. Dabei gilt es auch die unterschiedlichen nationalen Ansätze zu analysieren und die kompetenzrechtliche Rahmung der Europäischen Union im Blick zu behalten.

  • Europäisches Steuerrecht

    Auf der Ebene des Europarechts befasst sich das Institut für Finanzrecht mit den steuerlichen Aspekten der immer größer werdenden europäischen Integration. Zentraler Betrachtungspunkt ist in dieser Hinsicht der europäische Binnenmarkt und der damit etablierte freie Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Personen und Kapital. Abgeleitet aus den Grundfreiheiten folgt aus steuerrechtlicher Sicht, dass Mitgliedstaaten grenzüberschreitende Tätigkeiten nicht ungünstiger besteuern dürfen als rein innerstaatliche Tätigkeiten. Dieser Grundsatz führte zu erheblichen Auswirkungen auf das nationale Steuerrecht. Genau diese Folgen bilden den Forschungsschwerpunkt des Instituts auf diesem Gebiet, wobei aus rechtsvergleichender Sicht der österreichische Ansatz mit Modellen aus anderen Ländern verglichen wird. Dabei wird das heimische Steuerrecht auch im Lichte der Empfehlungen von internationalen Organisationen, wie der OECD und der UNO, untersucht. 

  • Umsatzsteuer

    In Bezug auf das Umsatzsteuerrecht erfolgte in der EU eine weitgehende Harmonisierung. Das sekundäre EU-Recht, vor allem in Form der MwSt-Richtlinie, enthält ein detailliertes Regelwerk, welches den Steuertatbestand, den Ort der Besteuerung, die Steuerbefreiungen sowie die Unter- und Obergrenzen für die Steuersätze festlegt.

    Die mit der Anwendung der EU-Mehrwertsteuerrichtlinie bestehenden Unklarheiten führten zu einer reichhaltigen Judikatur des Europäischen Gerichtshofs. Diese Rechtsprechung gab den Mitgliedstaaten nicht nur Leitlinien für die Anwendung der MwSt-Richtlinie vor, sondern etablierte auch rechtliche Grundsätze und schuf eine Reihe ungeschriebener Rechte und Pflichten.

    Die Forschung am Institut für Finanzrecht widmet sich dem Zusammenwirken des geltenden Rechts mit dem durch die Rechtsprechung fortentwickelten Recht. Eingang in die Forschungstätigkeit findet auch die Untersuchung des Einflusses von neuen Entwicklungen auf diesem Themengebiet, wie die Digitalisierung oder der Umweltschutz, zumal die MwSt-Richtlinie im Lichte dieser neuen Problemfelder überholt und nicht mehr zeitgemäß scheint.

  • Verfahrensrecht

    Das Forschungsgebiet des Steuerverfahrensrechts genießt am Institut für Finanzrecht eine lange Tradition, welche bis zu dem Gründer des Instituts, Gerold Stoll, zurückreicht. Gegenwärtig betätigt sich Professor Tanzer als Mitautor sowie Mitherausgeber der zweiten Auflage des berühmten Stoll-Kommentars zur Bundesabgabenordnung.

    Die Bedeutung dieses Werkes für Forschung und Praxis zeigt sich eindrucksvoll daran, dass die erste Auflage des Kommentars aus dem Jahr 1930 über die Jahre hinweg immer wieder sowohl von der Lehre als auch der Rechtsprechung zitiert wird.   Die drei Bände des Kommentars umfassen insgesamt mehr als 3.000 Seiten. Die ungeachtet seines Alters immer noch bestehende Stellung als Standardwerk in diesem Rechtsgebiet ebnete den Weg für eine Neuauflage des Kommentars. Große Teile dieser überarbeiteten Fassung kamen im Jahr 2023 auf den Markt. Die fehlenden Teile werden voraussichtlich im Jahr 2024 erscheinen.